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Reifentechnik der Zukunft

Geschrieben von Green am Samstag, 22. August 2009

Reifen News Dunlop
Das Potenzial von Reifen ist heute keineswegs ausgereizt. Dabei werden in Zukunft nicht nur alte Ansätze weiterverfolgt, sondern dem Reifen werden auch neue Aufgaben zukommen. Eine Reifentechnologie der Zukunft, die bereits Anwendung findet, sind die pannensicheren Pneus, auf die immer mehr Autohersteller setzen...

 


Die Vorteile liegen auf der Hand: Da das Ersatzrad überflüssig wird, kann Gewicht gespart und Platz gewonnen werden. Die ohnehin überaus seltenen Reifenplatzer sind ebenso keine Gefahr mehr wie gefährliche Reifenwechsel am Straßenrand oder auf dem Standstreifen der Autobahn. Das sorgt für mehr Sicherheit und Komfort. Derzeit sind zwei unterschiedliche Technikkonzepte für pannensichere Reifen am Markt: das Rad-Reifen-System sowie der selbsttragende Reifen. Die Rad-Reifen-Konstruktion besteht aus Reifen, Felge und innen in der Radmitte liegendem Stützring. Dabei hält eine selbst klemmende Verankerung den Reifen auf der Felge. Bei Druckverlust trägt der Stützring aus Gummi das Fahrzeuggewicht. Für dieses System werden spezielle Reifen und Felgen benötigt, da die herkömmlichen Produkte nicht kompatibel sind, beim Reifenwechsel sind besondere Montagemaschinen notwendig. Selbsttragende Reifen verfügen über eine Seitenwand, die mit zusätzlichen Stützelementen verstärkt wird, so dass trotz Druckverlust die Felge nicht den Boden berührt. Die so genanten Runflat-Pneus, die zum Beispiel bei Goodyear und Dunlop RunOnFlat-Reifen heißen, halten sich ohne Luft in der vorgegebenen Form. Dadurch bleiben die Fahreigenschaften und damit die Kontrolle über das Fahrzeug auch bei völligem Luftdruckverlust erhalten. Bei Runflat-Reifen ist die Abplattung viel geringer als bei konventionellen Reifen. Ein Springen von der Felge ist ebenfalls so gut wie ausgeschlossen. Ein weiterer Vorteil dieser Technologie: Die Reifen können auf alle handelsüblichen Felgen montiert werden. Auch Winterreifen sind mittlerweile mit dieser Technologie erhältlich. Runflat-Reifen können bei komplettem Luftverlust mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer über eine Distanz von 80 Kilometer gefahren werden. BMW rüstet immer mehr seiner Modelle mit Runflat-Reifen aus, andere Hersteller wie beispielsweise Mercedes-Benz bieten ebenfalls einige ihrer Modelle mit Runflat-Pneus an. Bei RunOnFlat-Reifen von Goodyear und Dunlop stützen zusätzliche Elemente die Seitenwand und sorgen damit für entschieden mehr Sicherheit. Die Abplattung beim RunOnFlat-Reifen ist deutlich geringer als beim Standardreifen.

Reifenluftdrucksysteme

 

Pannensichere Reifen dürfen nur in Verbindung mit einer Reifendruckkontrolle betrieben werden. Ohne ein solches Überwachungssystem würde es dem Fahrer überhaupt nicht auffallen, dass er einen Reifenschaden hat. Es gibt zwei verschiedene Luftdruckkontrollsysteme: Indirekte Systeme messen den Luftdruck nicht direkt im Reifen, sondern nutzen Signale der ABS-Elektronik. Diese Systeme basieren auf der Tatsache, dass abnehmender Luftdruck die Rotationsgeschwindigkeit des Rades steigert und dadurch messbar ist. Druckverluste in den Pneus werden durch den permanenten Vergleich der Abrollumfänge aller vier Räder und der Messung der Raddrehzahlen ermittelt. Die neue Generation der Luftdruckkontrollsysteme – wie beispielsweise das Warnair von Dunlop – kommuniziert auch mit dem ESP, wodurch das System noch exakter arbeiten kann. Da die In- Konventioneller Reifen RunOnFlat-Reifen formationen des ESP verarbeitet werden, können relevante Einflussfaktoren auf die Raddrehzahl (wie z.B. Lastenzustände etc.) herausgefiltert werden. Direkte Überwachungssysteme arbeiten mit Sensoren, die den aktuellen Luftdruck unter Berücksichtigung der Reifentemperatur direkt in den einzelnen Reifen ermitteln. Die Sensoren befinden sich entweder auf der Felge an den Reifenventilen oder sind im Reifen integriert. Per Funk senden die Sensoren den gemessenen Druck und die Temperaturwerte des Reifens an eine Antenne im Radlauf oder direkt zum Steuergerät im Cockpit des Wagens.

 

Der intelligente Reifen

 

Die im Reifen integrierte Sensortechnologie soll in Zukunft noch mehr leisten können und beispielsweise das ABS oder das elektronische Stabilitätsprogramm ESP unterstützen. Über den Sensor könnten Informationen zur Reifencharakteristik (beispielsweise Sommer- oder Winterreifen, Profiltiefe) sowie Informationen zum Fahrbahnzustand (Schnee, Eis, unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheit) an die elektronischen Regelsysteme gesendet werden. Mit diesen Informationen kann die Elektronik – so die Vorstellung der Reifenentwickler - Antriebs- und Bremskräfte, Aquaplaninggefahr oder den aktuellen Reibwert – also die Haftung des Reifens auf der Fahrbahn – genau berechnen. Der Vorteil: Die elektronischen Regelungssysteme können in Gefahrensituationen wesentlich gezielter reagieren – oder den Fahrer auch einfach nur vor einer zu geringen Profiltiefe warnen. Auch in der Automobilindustrie bringt der Einsatz der Sensortechnologie Vorteile. Da die Daten mittels eines integrierten Lesegerätes elektronisch abrufbar sind, verringern sie den Aufwand für die Reifenidentifikation in der Autofertigung. Der Sensor im Reifen automatisiert das bislang manuelle Ablesen der DOT-Nummer (Department of Transportation). So speichert der Sensor alle relevanten Reifendaten wie Produktionswerk, Reifengröße, fortlaufende Nummer, Geschwindigkeitsindex und Produktionswoche. Die Daten können durch ein Lesegerät abgefragt werden. Auch der Reifenhandel profitiert vom Sensor, da die Erfassung der Reifendaten zur Kontrolle der Lagerbestände vereinfacht werden könnte. Bei einer Reifenlieferung können die Daten direkt zum Abgleich in das Warenwirtschaftssystem gescannt werden. Je nachdem welche Informationen im Sensor gespeichert werden, kann er über die logistischen Einsatzmöglichkeiten hinaus auch für weitere Aufgaben genutzt werden. Denkbar ist die Nutzung als Eintrittskarte für Parkhäuser oder Werksgelände. Über eine Bodenantenne wird dann die im Reifen gespeicherte Zugangsberechtigung abgefragt.

Reifentechnik der Zukunft

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