Neue Vorgaben für Autobranche
23. Mai 2008 Alle Neuwagen in der Europäischen Union sollen künftig mit einem elektronischen Schleuderschutz, Reifendrucküberwachungssystemen sowie Reifen mit geringem Rollwiderstand ausgestattet sein. Das sieht ein Vorschlag der Europäischen Kommission vor, den EU-Industriekommissar Günter Verheugen am Freitag in Brüssel vorgelegt hat.
Mit den Vorschlägen soll nicht nur die Sicherheit der Fahrzeuge erhöht,
sondern auch der Treibstoffverbrauch und damit der Ausstoß des Treibhausgases
Kohlendioxid gesenkt werden. Allein die Vorgaben für die Autoreifen würden
die Emissionen von Kohlendioxid um 7 Gramm je Kilometer senken, sagte der Sprecher
Verheugens. Der Vorschlag könne deshalb einen wichtigen Beitrag dazu leisten,
den Ausstoß über die 130 Gramm je Kilometer hinaus zu senken, die
die Autohersteller künftig durch bessere Motoren erreichen sollen.
Benzinverbrauch um bis zu 5 Prozent niedriger
Der Preis für Neuwagen werde sich durch den Einbau der vorgeschlagenen Systeme je nach Fahrzeugtyp um 100 bis 300 Euro erhöhen, sagte der Sprecher. Das werde aber oft schon im Laufe eines Jahres durch die zu erwartenden Ersparnisse beim Kraftstoffverbrauch von 5 Prozent mehr als ausgeglichen. Die Vorgaben für die Reifen sollen von 2012 an gelten. Der Einbau eines elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP), um zu vermeiden, dass der Wagen etwa bei geringer Bodenhaftung schleudert, soll von 2012 an für neue Modelle und zwei Jahre später für alle Neuwagen Pflicht sein. Für Nutzfahrzeuge will die Kommission zudem von 2013 einen Spurhalteassistenten sowie ein Notbremssystem vorschreiben. Ein Spurhalteassistent warnt den Fahrer, sobald er seinen Fahrstreifen verlässt, etwa wenn er auf einer Autobahn über die weiße Begrenzungslinie zum Standstreifen fährt. Das Notbremssystem bremst Lastwagen unter bestimmten Umständen automatisch ab, wenn sie zu dicht auf das Fahrzeug vor ihnen auffahren. Nach Schätzungen würde es in der EU durch den Einbau dieser Systeme für Autos und Lastwagen jährlich bis zu 2500 weniger Verkehrstote geben, teilte die EU-Kommission mit.
Die unterschätzten Auswirkungen des Reifendrucks
Vor allem auf die Senkung des Kraftstoffverbrauchs und des Kohlendioxidausstoßes zielen die Vorschläge für die Reifen. Ein zu geringer Reifendruck könne den Verbrauch um bis zu 4 Prozent erhöhen und die Lebensdauer der Reifen fast halbieren, sagte der Sprecher von Industriekommissar Verheugen. Häufig bemerkten die Fahrer den schleichenden Druckverlust nicht. Dabei verlören die Reifen im Durchschnitt 3 bis 6 Prozent der Luft im Monat. Um zu vermeiden, dass die Verminderung des Rollwiderstands der Reifen auf Kosten der Sicherheit geht, sollten weiter strikte Anforderung an die Nasshaftung gestellt werden, teilte die Kommission mit.
Vergangene Woche hatte der Reifenhersteller Continental davor gewarnt, dass ein geringerer Rollwiderstand auch weniger Sicherheit bedeute. Ein um 10 Prozent verringerter Rollwiderstand - was 2 Gramm Kohlendioxid einspare - verlängere den Bremsweg bei einer Vollbremsung mit 100 Stundenkilometern auf nasser Fahrbahn um acht Meter, warnte der Konzern.
Der Verband der Automobilindustrie, VDA, begrüßte den Regelungsvorschlag hingegen. In Deutschland hätten allerdings schon heute 73 Prozent aller Neuwagen ESP. Der Einbau des Spurhalteassistenten in Lastwagen von 2013 an werde allerdings nicht leicht zu bewältigen sein. Das hohe Kohlendoxid-Einsparpotential durch neue Reifen sowie die Reifendrucküberwachung zeige, dass der Kommissionsvorschlag zur Verringerung des Ausstoßes von Autos von Ende 2007 nachgebessert werden müsse, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Wenn die neuen Vorschläge zu den Reifen allein 7 Gramm weniger Emissionen bedeuteten, könne man die Belastung der Autoindustrie auch verringern und das 130-Gramm-Ziel flexibler ausgestalten, sagte Wissmann.
Quelle: Faz.net



